Beim FC Bayern gibt es in diesen Tagen reichlich Themen. Die Verletztenmisere etwa. Doch diese stehen nur im Schatten von zwei anderen großen Diskussionen: Wie geht es weiter mit Vereinsikone Thomas Müller und wie steht es um Sportvorstand Max Eberl?

Nach gut 17 Minuten auf dem Podium reichte es Max Eberl dann, obwohl es so lange gar nicht um das derzeit größte Thema im deutschen Fußball gegangen war. Auf Fragen zur heiß diskutierten Zukunft von Vereinsikone Thomas Müller - durch die Vordertür, die Hintertür oder sonst woher - mochte der Sportvorstand nicht mehr reagieren. "Wie viele Fragen muss ich noch beantworten dazu", sagte er mit verkniffenem Lächeln in Richtung des Münchner Pressesprechers Dieter Nickles, um dann dem Journalisten mit leicht genervter Stimme doch noch zu antworten: "Wir sagen, wenn es etwas zu verkünden gibt. Und dann erklären wir."

Zuvor hatte er bereits klargemacht: "Thomas ist eine besondere Personalie, ein großer Spieler des FC Bayern. Ich werde hier aber nicht über Thomas sprechen." Man spreche nur miteinander. Stand jetzt sei es indes so: "Weder Thomas noch wir haben etwas zu verkünden." Grundsätzlich sprach Eberl bei der Vereinsikone von einer "ganz speziellen Situation" und ergänzte: "Ich habe schon ganz viele Spieler gehabt, wo man irgendwann sagen muss: Vielleicht ist es vorbei - aber das tun wir gemeinschaftlich, wenn es soweit ist." Huch, verplappert? Tatsächlich lässt das ja kaum einen anderen Schluss zu, als dass das "Servus" von Müller wirklich bereits beschlossen ist.

Noch immer mauert der Rekordmeister bei der Personalie Müller. Die Diskussionen darum, wie es für den 35-Jährigen weitergeht, haben längst den Status der nationalen Angelegenheit erreicht. Beinahe jede Stimme im Fußball sagt, was er über den Umgang des Rekordmeisters mit seinem Rekordspieler denkt. "Unwürdig" sei das, was da passiert, ist der Tenor (den unter anderem der Kollege Stephan Uersfeld angestoßen hat). "Die Vorwürfe kommen von außen, jeder hat eine Meinung zu allem", betonte Eberl nun. "Wir machen intern unsere Arbeit und versuchen, alles zu besprechen. Dankbarkeit ist immer da."

Laut Medien ist indes längst klar, dass der letzte große Fußball-Entertainer den Verein im Sommer verlassen muss. Ein neuer Vertrag soll ihm, so ist der Stand der Öffentlichkeit, nicht mehr angeboten werden. Eberl missfällt dieses "Vorwegnehmen" von Entscheidungen und Bewertungen. Überraschend viel wurde aus den Gesprächen "geleakt". Nicht zum ersten Mal in dieser Saison. Auch die Verlängerung von Joshua Kimmich wurde zu einem fortwährenden Quell der Unruhe an der Säbener Straße.

Eberl zu kritischen Berichten: "Kriege ich nicht so mit"

Der Druck, der auf dem FC Bayern lastet, ist enorm. Die Hoheit über die Personalie Müller hat der Klub verloren. Jetzt kann es nur noch darum gehen, den Schaden in Grenzen zu halten. So rückt vor allem Verhandlungsführer Eberl in den Fokus. Über ihn und seine Zukunft wird mittlerweile genauso viel geschrieben, wie Meinungen zum Fall Müller verbreitet werden. Die Szenarien sind bisweilen vogelwild, sogar ein "großer Knall" scheint denkbar.

"Tatsächlich kriege ich das nicht so mit. Es wird mir zugetragen, wenn ich mich auf eine PK vorbereite", sagte Eberl zu den Medienberichten, die von Unstimmigkeiten mit dem mächtigen Aufsichtsrat und interner Kritik wissen wollen. "Mein ganzer Fokus liegt auf dem FC Bayern und den Entscheidungen, die vor uns liegen. Es ist keine One-Man-Show, wir treffen Entscheidungen zusammen. Kritik habe ich viel bekommen, seit ich beim FC Bayern bin. Ich nehme das wahr, aber ich mache meinen Job so gut wie möglich. Der Klub steht über allen. Alles andere kann ich wenig beeinflussen."

Dass die eigentlich als Spieltagspressekonferenz angesetzte Medienrunde die Schlenker nehmen würde, das kam natürlich nicht überraschend. Auch wenn es noch einige andere Themen gibt, die dem FC Bayern zusetzen. Die große Verletztenmisere nämlich. "Die Jungs, die gegen St. Pauli nicht dabei waren, stehen nicht zur Verfügung", sagte er. Kapitän Manuel Neuer (Wade), Dayot Upamecano (Knie), Alphonso Davies (Kreuzbandriss), Hiroki Ito (Mittelfußbruch), Aleksandar Pavlović (Pfeiffersches Drüsenfieber) und Kingsley Coman (Fußreizung) fehlen weiter. Dafür gibt es aber gute Nachrichten von zuletzt angeschlagenen Spielern: Min-Jae Kim, Raphael Guerreiro und Leon Goretzka werden im Bundesliga-Derby am Freitag (20.30 Uhr) beim FC Augsburg dabei sein.

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