Was den Cluburlaub bis heute so beliebt macht
Da ist das Ehepaar aus Wiesbaden, das vor der nächsten Fernreise wieder eine Woche in einem Club in der Türkei verbringt: „Wir lieben das Joggen am breiten Strand, das gute Essen und das Bogenschießen.“ Oder die Hamburger Familie, die mit ihrer sechsjährigen Tochter erneut im Winter in Kärnten war: Aus Robinson sei durch einen Betreiberwechsel Aldiana geworden, geändert habe sich aber glücklicherweise nichts im „Schlani“, wie die Schlanitzen Alm liebevoll genannt wird.
Auch 75 Jahre, nachdem der belgische Unternehmer Gérard Blitz den Cluburlaub auf Mallorca erfunden hat, sind das Rundum-Sorglos-Gefühl und ein zwangloser Umgang unter Mitreisenden wesentliche Gründe für diese Reiseform. Inspiriert von Sommerferienlagern, stellte Blitz 1950 rund 200 Armeezelte in Alcúdia auf und nannte die Anlage Club Mediterranée. Die Urlauber sollten sich als „gentil membres“, freundliche Mitglieder, des Camps fühlen. Die Freizeit wurde von „gentil organisateurs“, sympathischen Betreuern, begleitet, den Vorläufern der Animateure. Es zählte, was man gemeinsam erlebte, nicht wer man war. Dieses Motto macht den Cluburlaub bis heute populär.
Von der Idee ließen sich andere Anbieter inspirieren: In den 1970er-Jahren eröffneten die Robinson Clubs, heute Tochterunternehmen der TUI, und Aldiana, jetzt eine Marke von Dertour. Gäste können heute unter Premium-Marken und günstigeren Clubs wählen, je nach Laune und Geldbeutel (Übersicht: siehe unten). Billig ist der Einmal-alles-Urlaub, bei dem sich alle duzen, zwar nicht, aber das Budget ist kalkulierbar.
Für eine Clubwoche in der Türkei muss eine vierköpfige Familie im Sommer mit etwa 2800 Euro inklusive Flug rechnen. Eine Woche in einem etwas gehobenen Resort auf den Kanarischen Inseln schlägt für einen Einzelreisenden inklusive Flug mit rund 1000 Euro zu Buche, und eine Woche gehobener Cluburlaub in Österreich für Zwei kostet – ohne Anreise – schnell mal 3000 Euro. Je nach Saison und Kategorie variieren die Preise. Hinzu kommen Gebühren für nicht enthaltene Leistungen bei Sport und Verpflegung.
Die Nachfrage nach Cluburlaub ist seit Jahren in etwa gleichbleibend hoch. Rund 7,88 Millionen Deutsche (ab 14 Jahren) würden laut Allensbacher Markt- und Werbeträger-Analyse (AWA) gerne so verreisen. Zudem sind die Kunden Wiederholer: Wer einmal in einem Club war, kommt oft wieder. Zwar behalten die Veranstalter genaue Daten für sich. Doch allein im „Robinson Club Jandia Playa“ auf Fuerteventura soll beispielsweise über Weihnachten und Neujahr die Stammgastquote bei 80 Prozent liegen.
Ein Kritikpunkt am Cluburlaub ist, dass die Gäste nur selten die Anlage verlassen und der Kontakt zu Land und Leuten gering ist – und dass die lokale Wirtschaft von den abgeriegelten Urlauberanlagen nicht allzu sehr profitiert. Mit erweiterten Ausflugsprogrammen und dem Bezug lokaler Lebensmittel wird hier aber verstärkt gegengesteuert.
Der Fokus der Anbieter liegt derzeit auf Nachhaltigkeit, zum Beispiel durch Geothermie- und Solaranlagen, sowie auf Trendsetting beim Essen und im Sport. So wird neuerdings vielerorts begeistert Fußballdart und Padel gespielt. Im Restaurant habe sich vegetarische und vegane Küche etabliert, bestätigte Robinson-Chef Bernd Mäser erst kürzlich auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin. Als Beispiele lassen sich hier die veganen Kochkurse bei Robinson aufführen und die neuen „Green Curry“-Restaurants in den Magic Life Clubs in der Türkei und Tunesien.
Auch im 75. Jahr des Bestehens tut sich also viel in diesem populären Reise-Segment. Angesichts der Angebotsvielfalt stellt sich für viele potenzielle Cluburlauber allerdings die Frage: Welcher Club ist der richtige für mich? Wir geben einen Überblick, sortiert nach Zielgruppen.
Angebote für Paare
Wenn (noch) kein Nachwuchs da ist oder die Kinder schon aus dem Haus sind, freuen sich viele auf Zeit zu zweit mit Entspannung und Unterhaltung. „Adults only“ – bei Clubs mit diesem Label bleiben Erwachsene unter sich. An diese Zielgruppe richten sich zum Beispiel seit April 2024 der „TUI Magic Life Beldibi“ in der Türkei und ab Juli der teilrenovierte „Robinson Club Fieberbrunn“ in den österreichischen Bergen. Diese Clubs sind für Gäste ab 16 beziehungsweise 18 Jahren buchbar.
Wo Kinder willkommen, Programm und Betreuung jedoch weniger umfangreich als in ausgewiesenen Familienclubs sind, heißt es bei Robinson „for all“ und bei Aldiana „adults friendly“ – zum Beispiel auf Sansibar und im „Aldiana Rocca Nettuno Calabria“. Die spektakulär an der italienischen Küste gelegene Anlage hat schon lange viele Fans. Ab Mai wird das ehemalige Hotel als Club mit renoviertem Spa geführt, es ist der elfte der Marke Aldiana.
Club Med weist beispielsweise in Punta Cana in der Dominikanischen Republik „Zen Oasis“ aus, einen eigenen Strandbereich nur für Erwachsene, sowie ruhige „Zen Pools“ in der Türkei, auf Mauritius und in Portugal.
Cluburlaub für Alleinreisende
Reisepsychologin Christina Miro sieht neben planbaren Kosten und üppigem Aktivitätsangebot beim Cluburlaub vor allem den Vorteil der Gemeinschaft, die Sicherheit und Geselligkeit ermögliche, auch für Einzelreisende: „Die müssen sich weder um Organisation noch um soziale Anschlussmöglichkeiten sorgen, das ermöglicht stressfreie Erholung.“ Allerdings sollten die Erwartungen realistisch bleiben – niemand könne damit rechnen, allein anzukommen und in einer Beziehung abzureisen.
Bei TUI ist inzwischen schon jeder neunte Gast ein Soloreisender. Darauf hat man sich eingestellt, etwa mit sogenannten Magic Angels bei TUI Magic Life. Sprecherin Stephanie Holweg: „Diese Leute organisieren zum Beispiel einen festen Tisch für Alleinreisende bei Frühstück, Mittag- und Abendessen, gemeinsame Cocktailabende und Ausflüge.“ Besonders beliebt bei Soloreisenden ist der „Magic Life Club Masmavi“ in der Türkei.
Bei Robinson funktioniert die Zusammenführung nach einem ähnlichen Prinzip, dort ist laut Pressestelle vor allem der „Club Cala Serena“ auf Mallorca bei Alleinreisenden gefragt. Bei Aldiana liegt der Club auf Fuerteventura vorn in der Gunst von Solourlaubern. Einen finanziellen Vorteil bietet Club Med: Dort hat man zu bestimmten Zeiten in manchen Resorts Zimmer für Singles ohne Aufpreis im Programm.
Ferienanlagen für Familien
Rund ums Mittelmeer, aber immer öfter auch in den Bergen und in Deutschland versprechen Ferienclubs Familien Glücksmomente. Kein Wunder, dass dieses Segment besonders stark wächst. Deshalb sollen den sieben Alltoura Club Hotels (neu ab Sommer auf Kreta und an der Türkischen Riviera am Strand von Side-Kizilagac) weitere Clubs folgen.
„Wir prüfen derzeit in verschiedenen Destinationen Ferienanlagen, die die hohen Anforderungskriterien erfüllen könnten“, sagt Alltours-Sprecher Jens Völmicke. Ein Pluspunkt sind spezielle Familienzimmer – sie sind beispielsweise im „Alltoura Mare Blue & Village“ auf Kreta 45 Quadratmeter groß.
Pony- und Pferdefans ab vier Jahren sind im „Aldiana im österreichischen Ampflwang richtig. Mit dem „TUI Kids Club Wangerland“ an der Nordsee wächst die Zahl der TUI Kids Clubs ab Juni auf 46 in zehn Ländern. „Der ‚Kids Club Wangerland‘ wird dabei das umfangreichste All-inclusive-Angebot in Deutschland bieten“, sagt Sprecherin Anja Braun, „mit eigener Indoor-Spielstadt und einer Activity-Halle mit Boulderwand und Pumptrack.“
Für Reisende mit Babys empfehlen sich die Robinson Clubs Pamfilya in der Türkei und Apulia in Süditalien – dort ist Babysitting für Kleine bis zwei Jahre an sechs Tagen in der Woche stundenweise buchbar.
Pauschalreisen für Sportliche
Darf es mehr als Yoga, Fitness oder Tennis sein? Aldiana hat neu Jumping-Fitness auf dem Trampolin im Programm. Und weil Beachhandball besonders gut ankommt, hat Aldiana entsprechende Camps im Sommer in der Türkei und in Tunesien im Angebot.
Bei Robinson kann man „Wingfoilen“ ausprobieren, einen Mix aus Kite- und Windsurfen. Auf Zypern, den Kapverden und Fuerteventura wird neuerdings „E-Foilen“ angeboten: Dabei hievt ein Elektromotor ein Board auf einem Foil, einer Kombination aus Segel und Mast, aus dem Wasser, gesteuert wird per Joystick – selbst Anfänger sollen so übers Wasser fliegen können.
Der bei Golfern beliebte „Robinson Club Fleesensee“ bekommt zum Sommer einen 25-Meter-Indoor-Pool und einen renovierten Spa-Bereich.
Wer Unterwassersport liebt: Mit einem Hausriff voll bunter Fische punktet der „Aldiana Club Naga Bay“ in Ägypten. Die große Anlage am Roten Meer sollte ursprünglich am 1. Dezember 2024 eröffnen. Dieser Termin wurde jedoch kurzfristig wegen baulicher Probleme abgesagt. Nach wochenlangem Soft Opening wird der Club nun offiziell in Betrieb genommen. Sprecherin Anna Mailänder: „Anfang April soll auch das Tauchzentrum eröffnen.“
Clubs in Übersee für Fernreisende
Club Mediterranée hat die meisten Clubs in Übersee im Programm, darunter Guadeloupe, die Bahamas, Mexiko und die Seychellen. Neben der Clubsprache Französisch ermöglicht Englisch meist eine gute Verständigung.
Für 2026 ist erstmals eine Anlage in Südafrika geplant: der „Club Med South Africa Beach and Safari“. Er liegt auf einem 32 Hektar großen Gelände an der Ostküste in der Provinz Kwazulu-Natal. Gäste werden hier Safari-Ausflüge zu den Big Five – Löwe, Leopard, Nashorn, Elefant und Büffel – machen können.
Auch die Konkurrenz schweift in die Ferne: Robinson ist neu in Vietnam vertreten und hat das „TUI Blue Nam Hoi An“ übernommen, für das eigens ein Clubkonzept mit erweitertem Restaurant und Bars, mit mehr Beachvolleyball- und Tennisplätzen entwickelt wurde. Außerdem wurde der „Robinson Maledives“ in Teilen renoviert, mit 28 neuen Wasservillen und einem Tepanyaki-Restaurant, und Ende 2026 eröffnet an der Ostküste der tansanischen Insel Sansibar ein weiterer Robinson Club.
Auch Aldiana hat die Trendinsel entdeckt und ist dort seit November mit einem Adults-friendly-Club vertreten.
Die wichtigsten Club-Anbieter weltweit:
Club Méditerranée, 69 Resorts weltweit, etwa in Frankreich, Marokko, Japan, Brasilien, auf Mauritius und Bali, zudem gehört das Kreuzfahrtsegelschiff „Club Med 2“ zum Angebot (clubmed.de).
TUI Kids Clubs, 46 Clubs in zehn Ländern, darunter Deutschland, Spanien, Griechenland, Kroatien und die Türkei (tui.com).
Robinson, 26 Clubs in 15 Ländern, zum Beispiel in Deutschland, Österreich, rund ums Mittelmeer, in Thailand und auf den Malediven (robinson.com).
TUI Magic Life, 15 Clubs in der Türkei, Griechenland, Spanien, Italien, Tunesien und Ägypten (magiclife.com).
Aldiana, elf Clubs in Österreich, Italien, Spanien, Ägypten, Tunesien, in der Türkei und auf Sansibar (aldiana.com).
Alltoura Club Hotels, sieben Clubs in Spanien, Griechenland und der Türkei (alltours.de).
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